Zum Umgang mit Wespen und Hornissen!

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Wespen und Hornissen verbreiten leider oft nur Panik am Kaffeetisch
Aber, so die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis: Es sind auch außerordentlich interessante und nützliche Tiere – hier einige Tipps zum stressfreien Umgang

Ob es die sommerliche Kaffeetafel auf der Terrasse ist, das Picknick im Grünen oder die spontane Grillparty mit Freunden: meist kommen im Laufe des Sommers noch Wespen, Hornissen oder Bienen als ungebetene Gäste hinzu. Oft ist die Panik dann groß, denn besonders beliebt sind die gelb-schwarzen Hautflügler fast bei keinem. Doch, und das ist oftmals wenig bekannt, sie erfüllen eine wichtige Funktion im Naturkreislauf. Sie sind sogar „einzigartig und unverzichtbar. Sie bestäuben Pflanzen, machen Jagd auf Kleininsekten wie Mücken und Fliegen und dienen als Nahrung für andere Tiere“, so Regina Kuklok-Grimm, Biologin bei der Unteren Naturschutzbehörde der Wittmunder Kreisverwaltung. Sie plädiert für einen gelasseneren Umgang mit den nervigen Insekten – und sie gibt Tipps, wie man sie sich ganz gut vom Halse halten kann.

Mückenjäger
Was kaum einer weiß: Schon ein kleiner Wespenstaat vertilgt täglich bis zu 3000 Fliegen, Motten, Mücken, Spinnen und Raupen. Ein Hornissenvolk verfüttert so viele Insekten wie sechs Meisenfamilien. Sie haben also auch eine Regulierungsfunktion in der Insektenwelt, die nicht zu unterschätzen ist. „Und durch die Aufnahme von Nektar an Blüten gehört auch die Wespe zu den wichtigen Blütenbestäubern im heimischen Garten“, sagt die Wittmunder Biologin. Und sie führt aus: „Von den in Niedersachsen vorkommenden 54 Wespenarten sind es nur zwei, nämlich die Deutsche Wespe und die Gewöhnliche Wespe, die uns als Menschen ,lästig’ werden können und in Konditoreien und Kaffeetischen an süßen Leckereien aufdringlich werden.“

Stiche sind nur selten bedrohlich
Zwar könnten alle Wespenarten und auch die Bienen mit ihrem Giftstachel stechen – aber dies tun sie nur, wenn sie sich oder ihr Nest bedroht sehen. Die Behauptung, dass 7 Hornissenstiche ein Pferd töten können und nur drei sogar einen Menschen, hält sich nachhaltig in der Bevölkerung. Unbestritten ist, dass die Stiche Schmerzen und Schwellungen verursachen können, und dass ein Hornissenstich etwas schmerzhafter ist als der Stich einer Wespe oder Biene. Kuklock-Grimm: „Gefährlich sind Wespen- oder Bienenstiche nur für Menschen, die auf diese Gifte allergisch reagieren oder, wenn der Stich direkt in Mund und Rachenraum oder die Luftröhre erfolgt.“

Kunstvolle Baumeister
Alle Wespennester sind wahre Meisterwerke, von denen der Mensch viel gelernt hat. Sie bestehen quasi aus Papier und verfügen über eine eingebaute Wärmedämmung. Die lästig werdende Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe bezeichnet man als Dunkelhöhlenbrüter, deren Nester man in Mauselöchern in der Erde und Jalousienkästen, in Schornsteinen und in Isolierungen im Mauerwerk finden kann. Alle anderen nestbauenden Wespenarten bauen frei hängende Nester im Gebüsch, in Schuppen oder unter Vorsprüngen am Haus.

Im Spätsommer ist alles vorbei
„Kommt man nicht in die Nähe der Nester, dann besteht im Grunde keine Gefahr, dass sich die Wespen bedroht fühlen könnten“, weiß die Biologin. Die Nester der mitteleuropäischen Wespen, Hornissen sind immer einjährig, insofern ist das Zusammenleben mit ihnen nur von kurzer Dauer. Die ersten Königinnen beginnen mit dem Nestbau im Frühling von April bis Mai und im Spätsommer von August bis etwa Mitte September wird nach Ausflug der jungen Königinnen und Männchen das Nest verlassen und der Insektenstaat stirbt ab. Der Wabenbau wird im kommenden Jahr nicht wieder bezogen.

Tipps zum Umgang
Mit diesem Wissen und der Berücksichtigung einiger Verhaltensregeln ist ein gedeihliches Auskommen mit einem Wespen- oder auch Hornissennest im Garten oder Grundstück möglich, sagen Experten wie Kuklok-Grimm. Hier einige Tipps:

  • Bewegen Sie sich nicht hastig im Nestbereich und vermeiden Sie Erschütterungen, wie sie etwa beim Rasenmähen entstehen.
  • Hauchen Sie die Tiere nicht an. Auch starkes Parfüm oder Angstschweiß löst bei den Tieren unter Umständen Abwehrreaktionen aus. Auch der intensive Rauch vom Grill in unmittelbarer Nähe des Nestes kann Wespen aggressiv machen
  • Um die Tiere aus dem Hausinneren fern zu halten empfiehlt es sich, Fenster und Terrassentüren mit Fliegengitter auszustatten.. Das gilt natürlich auch, wenn Sie kein Nest im Garten haben.
  • Nur wenige Wespenarten naschen an süßen Getränken. Um Wespenstiche im Mund- und Rachenbereich zu vermeiden, decken Sie Getränke im Freien ab oder benutzen Sie Trinkhalme. Vor dem Abbeißen immer einen kurzen Blick auf das Essen werfen und allgemein auf kleine Kinder, die im Freien essen und trinken, besonders achten.
  • Gefährliche Begegnungen mit vom Nest an- und abfliegenden Wespen lassen sich vermeiden, wenn in geringer Entfernung vom Flugloch ein Hindernis (Brett, Pappe, Fliegengaze) quer zur Flugbahn installiert wird, um die Tiere in eine bestimmte Richtung umzuleiten.
  • Vom Abendbrot- und Kaffee- und Teetisch draußen sowie Lebensmitteln allgemein lassen sich Wespen durch Nelken und Zitronenduft ablenken

Hornissen noch spät unterwegs
Hornissen sind im Unterschied zu Wespen auch noch in den späten Abendstunden aktiv und werden von Lichtquellen angelockt. Hier kann man sich durch ein rechtzeitiges Löschen der Lichter bei geöffneten Fenstern oder das Anbringen von Fliegengittern in den Fenstern und Türen schützen. Zusätzlich sind Hornissen wetterabhängig auch oft bis in den Spätherbst aktiv.

Geschützte Tiere
Alle wildlebenden Tiere stehen unter einem allgemeinen Artenschutz nach Bundesnaturschutzgesetz. Sie dürfen ohne vernünftigen Grund nicht getötet werden.
Hummeln, Wildbienen und Hornissen stehen als Einzelarten unter besonderem Artenschutz. Maßnahmen an deren Nestern dürfen nur in Ausnahmefällen vorgenommen werden und erfordern immer eine Genehmigung durch die Naturschutzbehörde, darauf weist Regina Kuklok-Grimm hin: „Ein Nest ohne eine Genehmigung zu entfernen ist ein Verstoß gegen das Naturschutzgesetz.“ Stelle das Nest aber auf Grund der Rahmenbedingungen eine Gefahr dar, könne eine Umsiedlung der Tiere an einen geeigneten Standort eine Lösung sein. Diese Umsiedlung könne aber nur von für diese Aufgabe geschulten Sachkundigen vorgenommen werden. Kuklok-Grimm: „Von eigenen Maßnahmen ist dringend abzuraten. Eine Umsiedlung der Tiere ist der Vernichtung eines Nestes vorzuziehen.“

Der Landkreis hilft
Eine im Ausnahmefall notwendige Abtötung eines Wespenvolkes sollte nur durch zertifizierte Schädlingsbekämpfer vorgenommen werden, rät sie. In diesem Falle sei es ratsam, bereits rechtzeitig, also möglichst beim ersten Entdecken des Nestes, die zuständige Naturschutzbehörde des Landkreises Wittmund (Tel. 04462-861299) oder einen qualifizierten Schädlingsbekämpfer, den die Kreisbehörde vorschlagen kann, zu informieren.

Dies ist eine Pressemitteilung des Landkreises Wittmund