Enttäuschung ist nicht das richtige Wort!

Denn: allzu sehr enttäuscht zu sein heißt, sich gefährlich nahe beim Aufgeben zu befinden…

Der Hintergrund:
Da hat unser Landrat in einem Gespräch kurz nach der Wahl versprochen, in der Bürgermeisterkonferenz am 26.09.17 die Katzenproblematik im LK Wittmund vorzustellen und über eine Katzenschutzverordnung zu reden.
Wir haben in wirklich intensiver Arbeit eine umfassende Dokumentation erstellt. Auflistung aller Fundtiere in den letzten 3 Jahren mit Angabe des Datums und der Orte, wo sie gefunden wurden, eine Stellungnahme aller Tierärzte im Landkreis zur Thematik, eine Stellungnahme der Tierschutzbeauftragten des Landes Niedersachsens, des Veterinäramtes…wir haben mit Fotos den erbärmlichen Zustand dieser Tiere dokumentiert…untermauert von der Darlegung unserer Tierarztkosten gab das ein ziemlich rundes Bild. Wir haben die Kosten für von uns durchgeführte Kastrationen aufgeführt, eine Liste der Orte, die schon Kastrationspflicht haben, beigefügt und wir haben sogar schon einen Antrag für die Bürgermeister zur Einführung einer Katzenschutzverordnung entworfen…also eigentlich nichts mehr zu tun für die Bürgermeister, als diesen Antrag zu stellen…Und das Ergebnis? Nachdem wir fast 3 Wochen auf eine Reaktion gewartet haben, wir eine Anfrage stellen, kommt von unserem Landrat eine Entschuldigung mit dem Verweis, er habe es schlichtweg vergessen und es wäre keine böse Absicht gewesen. Da fragen wir uns: Was vergisst man denn? Gut, man kann mal überlastet sein, aber unserer Erfahrung nach vergisst man eher die Dinge, die einem unwichtig erscheinen.
Und dann bittet uns unser Landrat, doch mit den einzelnen Bürgermeistern Kontakt aufzunehmen.
Da kann man eigentlich nur sagen: “ Viel Lärmen um Nichts“.
Das können wir aber so nicht stehen lassen. Wir müssen endlich Bewegung in diese träge Haltung der Verleugnung eines Problems bringen. Und die Konsequenz wird zwangsweise sein: Stellen die Bürgermeister keinen Antrag zur Einführung einer Katzenschutzverordnung, dann müssen wir in allen Gemeinderatssitzungen des LK Wittmunds einen sog. Bürgerantrag stellen. Und dazu brauchen wir jetzt Unterstützung…denn es müssen sich in den jeweiligen Gemeinden/Orten wohnende Leute bereit erklären, diesen Antrag zu stellen…ggf. immer und immer wieder, bis das die Verantwortlichen es endlich begreifen und sich ihrer Verantwortung stellen!
Natürlich sind wir vom Tierschutzverein Harlingerland e.V. und hoffentlich noch viele andere Unterstützer an diesen Terminen auch vor Ort.

Und das war unser Anschreiben:

Sehr geehrter Landrat, liebe Bürgermeister!

In Deutschland leben nach Angaben verschiedener Tierschutzorganisationen (DTB; Tasso) rund 2 Millionen Katzen, die kein Zuhause haben und ihr Leben auf sich gestellt fristen. Jede dieser Straßenkatzen stammt ursprünglich von einer unkastrierten Hauskatze ab, die von ihren Besitzern ausgesetzt, beim Umzug zurück gelassen wurden oder wo einfach eine unkontrollierte Fortpflanzung erlaubt wurde.
Verstärkt wird diese Problematik dadurch, dass unkastrierte Katzen mit Freigang sich mit diesen freilebenden Katzen vermehren, so dass die Population ständig ansteigt.
Auch im Landkreis Wittmund gibt es in den verschiedenen Ortsteilen und auch innerstädtisch solche Gruppen.
In einer Kastrationsaktion haben wir 2014 fast 180 freilebender Katzen kastrieren lassen. Ein nachhaltiger Erfolg kann aber nur dann eintreten, wenn auch die vielen Freigängerkatzen aus Privathaushalten kastriert werden, da diese immer wieder zu einem unerwünschten Anstieg der Population beitragen. Zudem erhöht sich das Risiko der Krankheitsübertragungen durch Revierkämpfe und Geschlechtsakt. Die meist tödlich endenden Krankheiten wie FIV (Katzenaids) und Leucose breiten sich so immer weiter aus und oft sind die Katzenwelpen schon infiziert.
Wie unsere Tierarztkosten zeigen, gibt es kaum eine Katze/Kater, die wir aufnehmen, die nicht behandlungsbedürftig ist. Katzenschnupfen (eine meist tödliche Infektionskrankheit, wenn sie unbehandelt bleibt) und Parasitenbefall sind an der Tagesordnung.  Durch die hohe Katzenpopulation besteht auch eine Infektionsgefahr für den Menschen mit ansteckenden Krankheiten wie Toxoplasmose oder Infektionen mit Würmern.
Auch die Bedrohung für die Vogelwelt ist zu berücksichtigen.
Im Jahr 2015 hatten wir 202 Meldungen von Fundkatzen, wo sich nur in einem Fall ein Besitzer ermitteln ließ. 2016 gab es 136 Fundkatzen und im Jahr 2017 bis August bis jetzt wurden über 137 Katzen und Kater gemeldet. Zu 99% sind die Tiere unkastriert. Eine Rückführung zu den Besitzern geht aufgrund einer fehlenden Kennzeichnung und Registrierung gegen Null.
Die Fundkatzen werden vom Tierheim WHV, dem TSV Harlingerland und zu einem kleinen Anteil auch von dem Verein „Glück für alle Pfoten“ aufgenommen, ärztlich versorgt und in ein neues Zuhause vermittelt. Zur Zeit sind, wie eigentlich in jedem Jahr, alle Tierschutzorganisationen überfüllt.

Ein Teil der Fundkatzen verbleibt auch bei den Findern. Oft gegen das Angebot der Tierschützer, die Kosten für die Kastration und eine tierärztliche Erstversorgung zu übernehmen. Hier werden Aufgaben der Gemeinden durch Privatleute und Tierschutzorganisationen übernommen und stellen eine extreme Belastung der Tierschutzvereine dar.
Immer wieder kommt es auch zu tierschutzwidriger Entsorgung des kätzischen Nachwuchses. Wir finden sie im Müll, im Karton an Bundes- und Landstraßen, in Gräben, im Wald an einsamen Stellen, wo die Tiere nur durch Zufall gerettet werden können.
Wie die Liste der Fundtiere zeigt, gibt es in den Gemeinden Wittmund, Esens und Holtriem und auch in Friedeburg eine hohe Anzahl freilebender Katzen, die, wie sich an unseren Tierarztrechnungen belegen lässt, in einem gesundheitlich desolaten Gesundheitszustand und oft nicht in der Lage sind, ihren eigenen Nachwuchs ausreichend zu versorgen. Die beigelegten Bilder zeigen dies eindeutig.
Insgesamt haben sich im Landkreis Wittmund in den verschiedensten Gemeinden Katzenkolonien angesiedelt. So u.a. in Willen, Ardorf, Bensersiel, Ostbense, Neuschoo, Willmsfeld und Stedesdorf.

Die Verordnungsermächtigung vom 07.03.17, in der die Gemeinden zur Umsetzung des $13b autorisiert werden, ist eine wichtige Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung, um den Gemeinden mehr Handlungsmöglichkeiten in Sachen Tierschutz zu gewährleisten. Jetzt kann durch eine Rechtsverordnung der unkontrollierte Freilauf fortpflanzungsfähiger Katzen beschränkt bzw. verboten werden, um erhebliche Schmerzen und Leiden der in den betroffenen Gebieten lebenden Katzen zu verhüten.
Da unkastrierte Katzen und Kater ein Streifgebiet von 20 bis 60 ha haben, ist es nicht sinnvoll, kleinere Gebiete als die Gemeindegrenzen abzugrenzen. Im Gegenteil wäre es sinnvoll, die Gebiete für die Einführung einer Kastrations-, Kennzeichnungs-und Registrierungspflicht großzügig zu erweitern.
Da von allen örtlichen Tierschutzorganisationen, den ansässigen Tierärzten, dem Veterinäramt umfassend zu dieser Problematik aufgeklärt und dies auch in der Öffentlichkeitsarbeit seit mehreren Jahren ( s. Anlagen Pkt. 13) regelmäßig thematisiert wird, ist schon viel unternommen worden, um eine Sensibilisierung zu erreichen.
Aber auch das zusätzliche Einfangen, Kastrieren und wieder Freilassen von verwilderten Tiere, wie wir es seit Jahren praktizieren (Vorrangigkeit anderer Maßnahmen), werden im Erfolg durch die Fortpflanzungskette von außen kommender Katzen, eben auch der unkastrierten Hauskatzen, denen Freigang gewährt wird, eingeschränkt oder sogar nachhaltig verhindert. So kann sich keine Stabilisierung der Katzenpopulationen und der gesundheitlichen Gesamtsituation der Tiere ergeben, da eine große Population neben Nahrungsmangel immer auch einen erhöhten Infektionsdruck nach sich zieht.
Wie unsere Zahlen zeigen, sind die dass bislang durchgeführten Maßnahmen nicht ausreichend, um das Katzenelend und -leid zu beseitigen. Daher ist es dringend notwendig, in den genannten Gemeinden aufgrund der Ermächtigungsgrundlage eine Katzenschutzverordnung mit Kastrations-, Kennzeichnungs-, und Registrierungspflicht einzuführen.
Die ansässigen Tierärzte, das Veterinäramt, die Tierärztekammer des Landes Niedersachsens sowie die Landesbeauftrage des Landes Niedersachsens für Tierschutz befürworten eine solche Verordnung. Das Tierheim Wilhelmshaven weist nach eigener Aussage in Gesprächen mit der Stadt Wittmund immer wieder auf den unhaltbaren Ist-Zustand hin.
Dies kann und darf auf politischer Ebene nicht ignoriert werden.
Wird weiterhin nichts unternommen und das Vorhandensein einer Katzenproblematik im Landkreis geleugnet, steigt das Katzenproblem weiter an. Dann werden mit dem Tierleid auch Arbeit und Kosten steigen. Denn letztlich müssen immer mehr Fundtiere ärztlich versorgt (Kosten trägt die Gemeinde) und von der Gemeinde aufgenommen werden. Wenn die Tierschutzorganisationen, die z.Z. einen Großteil dieser Aufgaben übernehmen, aufgrund von Überbelastung handlungsunfähig werden, wird sich diese Situation enorm verschärfen.
Mit einer Kennzeichnuns- und Registrierungspflicht lassen sich Katzen auch leichter wieder ihren Besitzern zuführen. Das spart Unterbringungs- und ärztliche Behandlungskostenkosten der Tiere und lässt die Möglichkeit offen, die entstandenen Kosten vom Besitzer zurückzufordern.
Grundsätzlich sind daher durch die Einführung einer Katzenschutzverordnung keine zusätzlichen Kosten zu erwarten, im Gegenteil: dadurch, dass die Tierschutzorganisationen und Tierärzte Rechtssicherheit haben, können sie stärker eingreifen.
Es wäre gut und klug, als Politiker jetzt Weitblick zu zeigen und alles Erdenkliche in die Wege zu leiten, damit der gegenwärtige Zustand ein Ende hat.
Die Stadt Paderborn hat es 2008 als erste Stadt vorgemacht und in Niedersachsen haben mittlerweile über 70 Gemeinden eine Katzenschutzverordnung eingeführt. Dies musste bis jetzt über die Gefahrenabwehrverordnung der Gemeinden erfolgen.
Durch die Subdelegationsverordnung der Landesregierung vom 07.03.17 im Rahmen des neuen §13b TschG ist dieser Umweg nun nicht mehr notwendig und der Weg zur Einführung einer Katzenschutzverordnung wird für die Gemeinden erheblich erleichtert.
Bitte zeigen Sie Weitblick und übernehmen Sie die Verantwortung für eine enorm wichtige tierschutzrelevante Aufgabe!

 
 Mit freundlichen Grüßen

E. Kirchdorfer 1. Vorsitzende des TSV Harlingerlandes e.V.