Paten gesucht!

Darf ich mein Leben erzählen? Vielleicht verstehen Sie dann ein bisschen, warum ich so bin, wie ich mich jetzt zeige. Ich bin 7 Jahre alt, wie man sieht, ein Schäferhund und ich wurde vor einem Jahr ins Tierheim gebracht, weil ich mehrfach gebissen habe. Sicherstellung nennt man das. Wer da vor wem gesichert wurde? Gut, ja, ich habe gebissen. Aber wissen Sie, wie ich gelebt habe? Nichts, aber wirklich gar nichts, habe ich kennen lernen dürfen. Keine anderen Hunde, keine Spaziergänge, wo ich schnüffeln konnte, wer vor mir schon unterwegs war…Ich durfte mich im Haus und in der Scheune aufhalten…das war es. Und dann wurde ich auch noch geschlagen. Da waren die Menschen nicht zimperlich mit mir. Es ist schwer, unter solchen Bedingungen seinen guten Charakter zu behalten und nicht misstrauisch und ängstlich zu werden.

Als ich ins Tierheim kam, war ich in einem wirklich schlimmen Zustand. Ich konnte kaum laufen…klar, keine Muskulatur. Am Rücken hatte ich offene Stellen…woher? Und ich litt unter einer chronischen Ohrenentzündung, die nicht behandelt worden war. Leiden ist genau der richtige Ausdruck für das, was ich durchmachen musste. Jeder, der schon einmal eine Ohrenentzündung hatte, weiß, wie schmerzhaft das ist.

Das körperliche war der eine Aspekt. Aber der psychische? Wie sollte ich jemals wieder einem Menschen vertrauen. Ja, sie meinen es jetzt gut mit mir. Aber wie lange? Kann ich mich darauf verlassen, dass es wirklich anhält? Oder muss ich wieder damit rechnen, irgendwann geschlagen zu werden, zu erleben, dass man seinen Ärger an mir auslässt? Das macht mir Angst. Können Sie das verstehen? Und die Angst ging am Anfang noch weiter: Bei den Spaziergängen geriet ich fast in Panik, wenn mir andere Menschen entgegen kamen. Ist ja lächerlich, wenn so ein großer Hund wie ich um Hilfe schreit und auf den Schoß will, aber genau das hätte ich gerne getan.

Auch andere Hunde, Fahrradfahrer, selbst mein Spiegelbild in der Wasserpfütze…es war ein Grauen für mich. Und manchmal stand ich einfach nur da, schaute in die Welt mit riesigen Augen und konnte es kaum fassen, was es alles zu sehen und zu erleben gab. Und wenn mein Pflegefrauchen bei mir war, dann spürte ich schon ein bisschen: Hier passiert mir nichts mehr. Denn jetzt konnte ich in die Hundepension von meinem Pflegefrauchen umziehen. Und die hilft mir wirklich, wieder optimistischer in die Zukunft zu blicken. Mittlerweile kann ich mit Frauen schon ziemlich gut umgehen. Aber auch Männer sind nicht mehr nur böse.

Doch jetzt kommt eigentlich das Allerschlimmste: ein Besuch beim Tierarzt zeigte, dass ich auch noch ziemlich krank bin. Wie die Fachbegriffe so heißen? Hochgradige Spondylosen im Bereich der Brust- und Lendenwirbelsäule,  eine mittelgradige Hüftgelenksdysplasie, Schilddrüsenunterfunktion, Arthrose…Das ist, ich weiß es ja selbst, nicht die optimale Situation, um ein neues Zuhause zu finden. Und das war ja der Plan: ich trainiere und übe ganz fleißig, bestehe den Wesenstest…und dann endlich finde ich meine Menschen.

Aber ganz ehrlich: das, was ich jetzt erlebe, ganz wenig Schmerzen, weil ich Medikamente bekomme, Tabletten gegen die Unterfunktion…ich blühe richtig auf und habe eine solche Freude am Leben. Ich könnte Luftsprünge machen vor Glück. Ja, ich weiß, ist bei meiner Diagnose nicht so gut, aber Sie verstehen sicher, was ich meine. Und dann bekomme ich auch noch Physiotherapie. Sie werden sehen, mir geht es bald richtig gut. Aber eines ist noch zu sagen: das alles kostet leider auch Geld…Und deshalb wünsche ich mir ein paar Leute, die mich mit Spenden unterstützen. Paten nennt mein Pflegefrauchen das. Wenn Sie mich kennen lernen, werden Sie sehen, dass es sich wirklich lohnt, mir zu helfen, damit ich meine Lebenslust wieder neu entdecken kann.

Informationen: TSV Harlingerland e.V., Tel.: 04974-9144931