Tierärztlicher Notdienst wird teurer!

Der tierärztliche Notdienst wird TEURER +++

Die letzte Erhöhung der tierärztlichen Gebühren um pauschal 12% (für die Behandlung von Kleintieren) ist gerade mal 2 Jahre her und in naher Zukunft werden manche Behandlungen schon wieder teurer…
Was und Warum?

Der deutsche Bundesrat hat gestern (588/19), am 20.12.2019, der 4. Verordnung zur Änderung der Tierärzte-Gebührenordnung (GOT) zugestimmt…

Was sich für Tierhalter dadurch ändert (Eckdaten):
– Eine neue rechtsverbindliche Notdienstgebühr über pauschal 50 EURO pro Tierhalter und Besuch (nicht pro Tier) wird eingeführt
– im Notdienst muss nun mindestens nach 2-fachem Gebührensatz abgerechnet werden
– Leistungen können im Notdienst je nach Umständen bis zum 4-fachen Satz abgerechnet werden [außerhalb des Notdienstes weiterhin bis zum 3-fachen]
– nach neuer Zeiteinteilung gelten die Notdienste zukünftig montags bis donnerstags zwischen 18 Uhr und 8Uhr am Folgetag [2 Stunden mehr]
– das Wochenende mit entsprechenden Notdienstregelungen beginnt freitags abends um 18Uhr und endet montags morgens um 8Uhr [ehemals von samstags 13Uhr bis montags 7Uhr]
– ausgenommen von Notdienst-Pauschale und mindestens doppeltem Satz sind reguläre Praxis-Sprechzeiten Mo-Fr auch nach 18Uhr oder an Samstagen
– egal ob inner- oder außerhalb der Notdienstzeiten erhöht sich das Wegegeld (für bspw. Hausbesuche) auf 3,50€ je Doppelkilometer; mindestens jedoch 13€
– bei Notdienstbehandlungen von Tierheimen-Tieren besteht im Sinne des Tierschutzes weiterhin die Möglichkeit, auf den doppelten Gebührensatz zu verzichten (nur mit schriftlichem Bestandsbetreuungsvertrag).

Nach 4 Jahren wird diese Änderung dann überprüft ob tatsächlich das Hauptziel erreicht werden konnte… dass eine zuverlässige flächendeckende Notdienstversorgung für Kleintiere in Deutschland (wieder) gewährleistet werden kann.

Dass seit Jahren viele tiermedinizinischen Kliniken ihren Status und damit die nächtlichen und Wochenend-Bereitschaften aufgeben, weil die Personalkosten nicht mehr tragbar (geworden) sind, sollte Dank medialer Berichterstattung bei jedem Tierhalter angekommen sein.
Ob die Pauschale darüberhinaus bewirkt, dass die Hemmschwelle für die Behandlung von Bagatellfällen im Notdienst rückläufig wird und sich die bereitstehenden Tierärzte wieder verstärkt um ‚echte‘ Notfälle kümmern können, bleibt abzuwarten.

In Kombination von Pauschale und doppeltem Gebührensatz wird es in naher Zukunft eigentlich kaum mehr möglich sein, für die Untersuchung und anschließender Therapie einen 2-stelligen Gesamtbetrag zu berechnen.
Ich bin mal gespannt ob man daher überhaupt noch Kleinsäuger wie Kaninchen, Meerschweinchen oder gar Mäuse im tierärztlichen Notdienst sehen wird.
Ebenso wird sich zeigen, ob sich tatsächlich jeder Tierarzt an die neue gesetzliche Mindest-Abrechnung hält, oder ob es lediglich ein unlauterer Hebel zur Kundenaquise per Preisdumping wird.

In den ersten Monaten wird die Erhöhung mit Sicherheit für sehr viel Diskussionsstoff und Unmut sorgen…

Aber die Würfel sind nun erstmal gefallen.

Tierarzt Sebastian Goßmann-Jonigkeit (aus Engelskirchen nahe Köln)

PS: Ich bin lediglich der Überbringer dieser Nacht und habe weder etwas mit der Entstehung, noch Genehmigung dieser GOT-Änderung zu tun. Danke!

Kommentare
  • Gabriele Polte Shit, gefällt mir nicht?