Änderungen im Jagdgesetz

Das Land Niedersachsen und seine Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz , Frau Barbara Otte-Kinast (CDU) planen eine Änderung im Jagdrecht, die zu erheblichen Nachteilen im Tierschutz führen werden. Aus diesem Grunde müssen alle, die sich hier engagieren, aktiv werden. Wir haben diesen Brief heute an die Ministerin geschickt. Teilt diesen Brief, wo immer ihr könnt und fordert andere Tierschutzorganisationen dazu auf, ebenfalls aktiv zu werden.

Sehr geehrte  Ministerin, sehr geehrte Frau Hildebrandt,

mit großer Sorge haben wir den Entwurf der Landesregierung zur Änderung des Niedersächsischen Jagdgesetzes zur Kenntnis genommen.

Neben dem aufgeweichten Schutz von Elterntieren, die ihren Nachwuchs während der Setz- und Brutzeit versorgen, stößt die Freigabe des Abschusses von Hauskatzen  auf Fassungslosigkeit und Empörung. Im Entwurf des Gesetzestextes wird eine Katze, die sich 300m von einem Haus entfernt aufhält, unhinterfragt als wildernd eingestuft und darf erschossen werden, unabhängig davon, ob die Katze wirklich wildert und ein anderes Tier gefährdet oder nicht. Dies dürfte den Tod einer großen Anzahl von Hauskatzen, insbesondere in ländlichen Gebieten bedeuten. Katzen, auch kastrierte, gut genährte Katzen, legen gerne Wegstrecken über 300 m hinaus zurück. Eine solche Vorgehensweise ist daher nicht nur aus tierschutzrechtlicher Sicht absolut unakzeptabel. Hinzu kommt auf menschlicher Ebene der mögliche Verlust von geliebten Haustieren, die als Familienmitgliedern in den jeweiligen Haushalten leben. Hier zeigt sich eine völlig realitätsfremde und tierfeindliche Haltung. Diese Haltung erstaunt auch deshalb, weil in einigen Bundesländern wie NRW mit einem ökologischem Jagdgesetz schon seit 2015 genau der gegenteilige Trend eingeleitet wurde. In  Niedersachsen fordern Tierschutzverbände aufgrund einer unkontrollierten Fortpflanzung von Hauskatzen seit vielen Jahren eine landesweite Kastrationspflicht, wie sie es in einigen Bundesländern schon gibt.  Leider sind entsprechende Bemühungen von Tierschutzverbänden in Niedersachsen Jahren erfolglos. Deshalb haben über 100 Gemeinden und Landkreise in Niedersachsen  dieses Anliegen selbst in die Hand genommen und eine eigene  Katzenschutzverordnung verabschiedet.

Auch der der Deutsche Tierschutzbund weist in einem offenen Brief an Frau Barbara Otte-Kinast als die zuständige Ministerin auf das groteske Vorgehen hin und fordert eine Abänderung. „Zerstören Sie nicht ein letztes Mindestmaß an Tierschutz, Glaubwürdigkeit und an Ethik, welches der Jagd in Niedersachsen noch bleibt!“

Der Nabu schätzt, dass in Deutschland jährlich 200000 Katzen durch Jäger getötet werden. Eine offizielle Zahl gibt es leider nicht, da es keine Meldepflicht für getötete Katzen gibt. Auch dies verwundert, da in allen Gemeinden, in denen es eine Kastrationspflicht gibt, auch eine Kennzeichnung und Registrierung des Tieres erfolgen muss. Damit ist die Ermittlung des Besitzers einer erschossenen Katze durch den Jäger einfach und ohne hohen Verwaltungsaufwand möglich. Letztendlich ist eine Regulierung der Katzenpopulation nicht durch tierquälerischen Abschuss, sondern nur durch konsequent durchgeführte Kastrationsaktionen erfolgversprechend. 

Tierschutz ist für die Bürger der Bundesrepublik Deutschland ein wichtiges Anliegen, wie sich nicht zuletzt durch die Aufnahme des Staatszieles Tierschutz in die Verfassung zeigt.  Damit sind Tiere als empfindsame Lebewesen anerkannt und stehen  unter ihrem besonderen Schutz. Für die Millionen Wähler im Land ist ein glaubwürdiger und überzeugender Tierschutz seitens der Politik durchaus auch ein Gradmesser für politische Entscheidungen. Dies sollte nicht nur in einem Wahljahr berücksichtigt werden.

Wir erwarten, dass Sie diese Änderungen im Jagdgesetz, insbesondere was den anlasslosen  Abschuss von Katzen betrifft, ersatzlos streichen. Dies gilt auch für den Abschuss von pflegenden Elterntieren. Mit  diesem Entwurf zeigt sich  für Niedersachsen ein deutlicher Rückschritt , der zu weiterem Tierelend und Tierleid führen wird. Es wäre im Gegenzug sinnvoll, eine Meldepflicht für abgeschossene Katzen einzuführen!

Mit freundlichen Grüßen

E. Kirchdorfer, TSV Harlingerland e.V.

10 Gedanken zu „Änderungen im Jagdgesetz“

  1. Tierschutz ist für alle Tiere der Mensch ist einfach unglaublich hat alles in Besitz genommen.
    Auf Borkum will die Politik das Damwild töten nun wollen sie Katzen töten. Da kann ich nur den Kopf schütteln.

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  2. Wann begreift die Menschheit endlich das Tiere Mitgeschöpfe sind , die uns anvertraut wurden und die mit Respekt behandelt werden sollten. Ich schäme mich für die gesamte Jägerschaft die aus reiner Mordgier wehrlose Geschöpfe abknallen um den vermeintlichen hohen Bestand von Wild zu reduzieren. Heutzutage geht Geburtenrückgang auch über das Futter. Aber dann wäre der ganze Spaß für die Jäger dahin. Dürfen jetzt auch noch Haustiere geschossen werden, werden die niederen Instinkte der Jägerschaft noch mehr befriedigt. Ich wünschte die Seelen von Mensch und Tier würden einmal den Körper wechseln können.

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  3. Ich kenne das niedersächsische Petitionsrecht nicht, aber vielleicht wäre das ein Weg für mehr Öffentlichkeit. Bislang scheint das ja sehr im Geheimen entwickelt zu werden und ich bin entsetzt, insbesondere wenn man die mangelnde Überprüfung der Jäger sowohl in geistiger als auch physischer Hinsicht bedenkt.

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