Jungvögel: Nicht alle brauchen Hilfe!

Aus aktuellem Anlass: Im Augenblick häufen sich die Meldungen über Jungvögel, die scheinbar Hilfe brauchen, weil sie sich nicht mehr im Nest befinden. Daher diese Information des Deutschen Tierschutzbundes:

Jungvögel sind aktuell noch immer in Gärten und Parks sowie in Waldgebieten unterwegs und viele Tierheime und Auffangstationen versorgen unzählige Pfleglinge. Teilweise musste die Aufnahme neuer Tiere wegen fehlender Kapazitäten bereits gestoppt werden. Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass Tierfreunde Jungvögel nur in Notfällen aufnehmen sollten, etwa wenn die Tiere verletzt sind oder es sich um unbefiederte Jungvögel handelt, die nicht zurück ins Nest gesetzt werden können. Bereits befiederter Vogelnachwuchs steht hingegen in der Regel auch außerhalb des Nests weiter mit den Elterntieren in Verbindung, weshalb eine „Rettung“ zwar gut gemeint, aber oft nicht notwendig ist.

„Sehr junge Vögel, die kaum oder gar keine Federn haben und hilflos am Boden liegen, sind meist aus dem elterlichen Nest gefallen. Um sie dorthin zurückzusetzen darf man die Tiere auch berühren – die Altvögel stören sich nicht am menschlichen Geruch“, erklärt James Brückner, Leiter des Artenschutzreferats beim Deutschen Tierschutzbund.

„Nur wenn die Vögelchen verletzt sind oder es nicht möglich ist, sie zurückzusetzen, sollte man das Tier in Obhut nehmen und schnellstmöglich in fachkundige Hände übergeben bzw. einem Tierarzt vorstellen.“

Für die vorübergehende Unterbringung des Vogels eignet sich dann am besten ein Pappkarton, der mit einem Handtuch ausgelegt und idealerweise im Haus untergestellt wird, da die Tiere häufig unterkühlt sind. Bei Unsicherheit über die richtige Ernährung sollten besser keine Fütterungsversuche unternommen werden. Wasser sollte der Finder dem Jungvogel allerdings immer anbieten und gegebenenfalls an den Schnabelrand, aber wegen Erstickungsgefahr keinesfalls direkt in den Rachen träufeln.

Eingreifen bei Ästlingen und Nestflüchtern nicht notwendig
Bei Nestflüchtern, wie jungen Enten, Gänsen, Schwänen oder Rallen ist ein Eingreifen grundsätzlich nicht notwendig, solange die Tiere nicht verletzt sind. Sie kommen bereits mit einem dichten Daunengefieder zur Welt, verlassen das Nest nach ein bis zwei Tagen und gehen selbstständig auf Futtersuche. Andere Jungvögel, wie Tauben, Eulen, Greifvögel, Rabenvögel und die Jungen der meisten anderen Singvögel – etwa Amseln, Meisen, Drosseln oder Finken – verlassen ihr Nest schon, bevor sie voll flugfähig sind. Die sogenannten „Ästlinge“ warten dann im Geäst oder an anderen geschützten Orten auf die Elterntiere, die sie weiterhin füttern.

Der 5-Punkte-Check für die Vogelfütterung

Der goldene Oktober geht langsam in einen eisigen November über. In den Regalen der Drogerie- und Supermärkte stapelt sich bereits das Vogelfutter. „Gartenvögel freuen sich schon jetzt über eine Einladung ans Futterhäuschen“, sagt Eva Goris, Pressesprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung. „Wer Vögel füttert, sollte beachten, dass es nicht nur Körnerfresser gibt. Amseln, Singdrosseln und Rotkehlchen picken beispielsweise gern Früchte und Beeren.“ Außerdem sind Vögel keine Müllschlucker. Essensabfälle und altes Brot gehören nicht ins Vogelhaus. Die Deutsche Wildtier Stiftung hat eine 5-Punkte-Liste für Vogelfreunde zusammengestellt.

Kohlmeise im Anflug auf eine Futterstation (© Herrmann)
Kohlmeise im Anflug auf eine Futterstation (© Herrmann)

Wer füttert, muss am Ball bleiben!
Ein neues Restaurant hat eröffnet – Sie erfahren es von Ihren Freunden! „Singvögel teilen sich die Information über eine neue Futterstelle durch eine Art Schnabel-zu-Schnabel-Propaganda gegenseitig mit“, sagt Eva Goris. Innerhalb kurzer Zeit hat sich die Nachricht verbreitet. „Und die Gäste kommen in Scharen angeflogen.“ Jetzt ist es wichtig, mit dem Füttern am Ball zu bleiben und die Futterstelle regelmäßig aufzufüllen!

Vor dem Wintereinbruch füttern!
Die karge Zeit beginnt in der Regel spätestens in der zweiten Hälfte des Winters, wenn niedrige Temperaturen an den Energievorräten der Vögel zehren und eine feste Schneedecke die Nahrungssuche erschwert. „Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Vögel sich bereits vorher einen Energiespeicher angefressen haben – richten Sie die Futterstelle schon vor dem Wintereinbruch ein.“

Für die Gäste nur das Beste!
Qualitativ gibt es Unterschiede beim Futter aus Drogerien, Supermärkten oder dem Fachhandel. Eva Goris: „Ein gutes Zeichen ist es meist, wenn viele hochwertige Bestandteile, wie beispielsweise Sonnenblumenkerne und Erdnüsse, enthalten sind.“ Fett und Talg halten die Körner zusammen und spenden viel Energie. Für Insektenfresser wie Rotkehlchen und Zaunkönige gibt es im Fachhandel Futter mit getrockneten Mehlwürmern. Aufgeschnittene oder aufgehängte ganze Äpfel schmecken Amseln und Wintergästen wie der Wachholderdrossel und dem Seidenschwanz besonders gut. Auch Trinkwasser sollte im Winter bereitgestellt werden. Küchenabfälle wie Kartoffelschalen, Fleischreste oder gewürzte Speisen gehören nicht ins Futterhaus!

Auf den Standort kommt es an!
Das Futterhaus so anbringen, dass es bequem angeflogen werden kann. Es sollte hoch hängen, einen Rundumblick bieten und katzensicher angebracht sein. Im Umkreis von etwa fünf Metern sollte es Büsche oder Bäume geben, in denen sich die Vögel aufhalten können und Deckung finden.
Achten Sie hier darauf, dass sich das Futterhaus leicht säubern lässt. Bei wenig Platz auf dem Balkon sind hängende Futtersilos eine gute Alternative.

Hygiene ist wichtig!
Das Futter muss trocken und sauber sein. Schalenreste und Kot entfernen. Wichtig ist Trinkwasser im Winter. Die Wasserschalen müssen regelmäßig gereinigt werden, weil sich sonst leicht Krankheitserreger übertragen.

Dies ist eine Pressemitteilung der Deutschen Wildtierstiftung.

Eine umfangreiche Aufstellung von Futtermitteln für die Wintervogelfütterung bietet die Wildvogelhilfe.