Straßenkatzen: Kastrationsaktion in Niedersachsen startet

29.10.2026

Tierschutzbund fordert bundesweite Lösung

Um das Leid der Straßenkatzen einzudämmen, startet erneut die landesweite Kastrationsaktion unter Federführung des Landestierschutzverbands Niedersachsen. Im Aktionszeitraum vom 5. November bis voraussichtlich 15. Dezember können Tierschutzvereine und private Katzenschützer Straßenkatzen kostenfrei bei teilnehmenden Tierarztpraxen kastrieren lassen. Der Deutsche Tierschutzbund und der Landestierschutzverband Niedersachsen stellen neben den 70.000 Euro der Landesregierung weitere 60.000 Euro bereit und verweisen auf die Dringlichkeit einer bundesweiten Kastrationspflicht. Mit der Tiernothilfe Nord beteiligt sich erstmals auch ein örtlicher Tierschutzverein mit 15.000 Euro an der Kastrationsaktion.

„Die Kastration ist der Schlüssel im Kampf gegen das Leid der Straßenkatzen“, sagt Dieter Ruhnke, Vorsitzender des Landestierschutzverbands Niedersachsen. Zugleich kritisiert er, dass die von der niedersächsischen Landesregierung im Koalitionsvertrag angekündigte Katzenschutzverordnung noch immer aussteht: „Es ist bitter, dass die Landesregierung ihre Zusage für eine Kastrationspflicht für Freigängerkatzen noch immer nicht umgesetzt hat. Umso wichtiger ist es, dass wir in diesem Jahr erneut Straßenkatzen kastrieren können, um der unkontrollierten Vermehrung und dem damit verbundenen Leid zumindest ein Stück weit entgegenzuwirken.“

Auch Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, fordert die Politik zum Handeln auf: „Das Elend der Straßenkatzen ist unerträglich. Tierschutzvereine und Katzenschützer in ganz Deutschland kommen bei der Kastration, Betreuung und Versorgung der Tiere zunehmend an ihre Grenzen. Eine bundesweite Kastrationspflicht für Katzen mit Freilauf würde das Leid der Straßenkatzen wirksam eindämmen und die Tierschützer vor Ort enorm entlasten. Dass die Politik hier weiter zögert, ist unverantwortlich.“

Das Leid der Straßenkatzen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der größten unbemerkten Tierschutzprobleme in Deutschland entwickelt, wie der Deutsche Tierschutzbund in seinem „Großen Katzenschutzreport“ aufzeigt. Die Tiere stammen ursprünglich von unkastrierten Katzen mit Freilauf aus Privathaushalten ab. Ohne menschliche Zuwendung kämpfen die Katzen auf der Straße um ihr Überleben: Sie leiden unter Krankheiten, Verletzungen, Hunger und Parasitenbefall. Jungtiere verenden meist innerhalb der ersten Lebensmonate. .

Zum Ablauf der Kastrationsaktion:

Bereits zum neunten Mal seit Projektstart im Frühjahr 2018 führen Tierschützer in Zusammenarbeit mit dem Landestierschutzverband Niedersachsen e.V. und der Tierärzteschaft die landesweiten Kastrationen in Niedersachsen durch. Bisher sind bei diesen Aktionen rund 21.000 Katzen kastriert worden. Die Anzahl der kastrierten Katzen ist abhängig von den verfügbaren Mitteln, die variieren, weil die Mittel seitens der Landesregierung nicht verstetigt wurden.

Um Straßenkatzen im Aktionszeitraum kostenlos kastrieren zu lassen, müssen sich Vereine und private Katzenschützer bei den teilnehmenden Tierarztpraxen anmelden, schriftlich bestätigen, dass es sich bei den Katzen nicht um in Privathaushalten lebende Tiere handelt und diese bei der zuständigen Fundgemeinde als Fundtier gemeldet worden sind. Nach der Kastration werden die Katzen mit einem Transponder mit Mikrochip gekennzeichnet, bei FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes, registriert und wieder am Einfangort freigelassen. An kontrollierten Futterstellen werden die Katzen weiterhin von Ehrenamtlichen beobachtet, gefüttert und bei Bedarf eingefangen, um sie medizinisch versorgen zu lassen.

Der „Große Katzenschutzreport“ des Deutschen Tierschutzbundes belegt das Ausmaß der Tierschutzproblematik und erschien im Rahmen der aktuellen Kampagne „Jedes Katzenleben zählt!“ des Verbands: www.jetzt-katzen-helfen.de/report

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