Fundkatzen: Tierschützer schlagen Alarm

Beim Tierschutzbund Harlingerland werden wöchentlich gefundene und verwahrloste Katzen gemeldet, wie die Vorsitzende Elfi Kirchdorfer aus Werdum berichtet. Nicht immer handele es sich bei den Fundtieren um Wildkatzen. Häufig seien die Tiere gepflegt, zutraulich und stubenrein. Indizien, die dafür sprechen, dass die Tiere vermutlich ausgesetzt worden sind.
Häufig meldet sich kein Besitzer auf die Fundtiere. Kirchdorfer hat das Gefühl, dass in letzter Zeit immer mehr solcher Katzen gefunden werden und vermutet auch, dass es mit den steigenden Kosten für die Versorgung zusammenhängen könnte. „Das ist für viele Leute eine Belastung“, sagt die Vorsitzende. Aber auch Wildkatzen, die sich unkontrolliert vermehren, seien ein weiteres Problem.

Ein Bericht von Larissa Siebolds aus dem Anzeiger für Harlingerland vom 22. August 2022.

Tierschutz im Grundgesetz

20 Jahre Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz – Ziel bisher verfehlt!

Der Schutz der Tiere als unsere Mitgeschöpfe ist heute ein Anliegen in der breiten Gesellschaft. Am 1. August 2002 ist das Staatsziel Tierschutz seit 20 Jahren im Artikel 20a Grundgesetz verankert. Gesetz und Recht müssen diesen Verfassungsrang wiederspiegeln. Der Schutz der Tiere als Staatsziel ist somit eine Verpflichtung für alle, die in der Politik und Verwaltung Verantwortung tragen.

Das aktuelle Tierschutzgesetz sowie dessen Vollzug durch die Behörden werden dem Willen des Verfassungsgebers und der Gesellschaft auch 20 Jahre nach Aufnahme des Staatsziels „Tierschutz“ in das Grundgesetz immer noch nicht gerecht – und dies, obwohl der Schutz des einzelnen Tieres als Mitgeschöpf bereits seit 1986 ein das Tierschutzgesetz prägender und übergeordneter Grundsatz ist.
Durch den mangelhaften Vollzug des Tierschutzgesetzes werden die tierschutzrechtlichen Strafvorschriften nicht effektiv angewendet. Gerade mit Blick auf landwirtschaftlich genutzte Tiere lassen sich kaum Gerichtsurteile finden. Die geringe Anzahl der Verurteilungen überrascht angesichts des Umstands, dass in Deutschland 200 Millionen Tiere zu landwirtschaftlichen Nutzungszwecken gehalten werden.

Seit Jahren wird das Vollzugsdefizit im Tierschutzrecht moniert. Insbesondere bei landwirtschaftlich genutzten Tieren finde eine Ahndung von Tierschutzverstößen kaum statt. Diese Kritik wurde nicht nur in der Rechtswissenschaft laut, auch der Deutsche Ethikrat und der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft kritisieren die Umsetzung des Tierschutzrechts in der Praxis der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung.

Obwohl Tiere oft unter grausamen Bedingungen gehalten werden, die erhebliche Schmerzen, Schäden und Leiden verursachen, landen die hierfür Verantwortlichen – trotz erdrückender Beweise – fast nie vor Gericht oder eingeleitete Verfahren werden wegen Geringfügigkeit eingestellt. Das immer noch geringe Strafmaß quälerischer Tiermisshandlungen suggeriert auch, dass es sich um Bagatelldelikte handelt, die man grundsätzlich gegen Zahlung eines Geldbetrages oder dem Erbringen einer gemeinnützigen Leistung einstellen kann.

Der Vorsitzende des Landestierschutzverbandes Niedersachsen e.V., Dieter Ruhnke, zieht ein bitteres Resümeé: „Solange der Gesetzgeber das Staatsziel Tierschutz nicht ausreichend umsetzt, Staatsanwälte und Gerichte Tierquälerei als Bagatelle abtun, wird das Ziel verfehlt, das vor 20 Jahren mit der Aufnahme des Staatsziels Tierschutz in das Grundgesetz beabsichtigt gewesen ist. Die Tiere leiden weiter.“

Der Landestierschutzverband Niedersachsen e.V. fordert nach 20 Jahren Staatsziel Tierschutz in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland endlich sichtbare Veränderungen in der Gesetzgebung und dem Vollzug: „Die Strafbarkeit von Versuchs- und Fahrlässigkeitsdelikten und Überführung aller tierschutzrelevanten Straftaten in das Strafgesetzbuch sind lange überfällig. Die bestehenden Defizite in Vollzug und Rechtsprechung müssen so schnell als möglich beseitigt werden!“

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Artikel 20a Grundgesetz:
Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.

Der Landestierschutzverband Niedersachsen e.V. ist die größte Tierschutzorganisation in Niedersachsen und vertritt die Interessen von 83 Mitgliedsvereinen, in denen rund 23.000 Tierschützer*Innen organisiert sind.
Kontakt zu unserer Pressestelle unter: Info@tierschutzniedersachsen.de


Nicht jeder Jungvogel braucht Hilfe

Bitte nicht immer mitnehmen. Kann man das Nest ausfindig machen, setzen Sie den Nestling wieder zurück in sein Nest, damit er weiterhin von seinen Eltern versorgt wird. Scheuen Sie sich nicht davor, den jungen Vogel zu berühren, denn entgegen anders lautender Aussagen nehmen die Eltern ihren Nachwuchs auch weiterhin an. Hierbei sollten Sie allerdings äußerst vorsichtig und rasch vorgehen, um die Eltern und die anderen Jungvögel im Nest nicht in Panik zu versetzen.

Bundesweiter Friedensflug

Pressemitteilung

Deutscher Tierschutzbund Landestierschutzverband Niedersachsen e.V.

08.05.2022

Brieftaubenzüchter veranstalten bundesweiten Friedensflug am 7. + 8. Mai 2022
Tauben sind ein Symbol für Frieden.

Am 7. und 8. Mai 2022 wurden im Rahmen von „Friedensflügen für die Ukraine“, bundesweit schätzungsweise 600.000 Brieftauben mehrere Hundert Kilometer entfernt vom Heimatschlag ausgesetzt. Der „Deutsche Tierschutzbund Landestierschutzverband Niedersachsen e.V.“ lehnt diese fragwürdige Aktion des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter ab: Spenden könnten auch ohne derartige tierschutzwidrige Praktiken gesammelt werden.

Der Landestierschutzverband Niedersachsen e.V. begrüßt jedes Zeichen der Solidarität für Frieden in der Ukraine. Tiere sollten man hierbei jedoch aus dem Spiel lassen, meint Beate Gries, Fachreferentin Stadttaubenmanagement: „Viele Ukrainer haben ihre Haustiere auf ihrer Flucht mitgenommen, damit diese gerade nicht auf der Straße landen. Jetzt Tiere für den Frieden ein- und auszusetzen, verhöhnt die Geflüchteten!“

Auch wenn die Haustaube eine außerordentlich gute Orientierung besitzt und die Fähigkeit hat, innerhalb kürzester Zeit weite Strecken zurückzulegen: lebenslang verpartnerte Tiere während der Brut zu trennen, damit sie ohne Pause durchfliegen, um den Partner rechtzeitig bei der Brutpflege abzulösen, ist eine verachtenswerte Praxis und widerspricht dem Tierschutzgesetz, das Tiere vor Schmerzen, Schäden und Leiden schützt. Das Risiko von Greifvogelangriffen ist auf den unnatürlich langen Flügen extrem erhöht. Dieses als artgerechte Haltung zu deklarieren und Kollateralschäden zu akzeptieren, macht die Mentalität der diesen Sport Betreibenden deutlich.

Statt für den mittels 300 LKW stattfindenden Transport hunderttausender Tauben Kraftstoff zu verbrennen, hätte man darin besser Hilfsgüter in die Ukraine transportiert. Ein tatsächliches Friedenssymbol des Verbandes Deutscher Brieftaubenzüchter wäre gewesen, dieses Jahr weniger Tiere für ihren „Sport“ zu züchten und auf diesem Weg Getreide zu sparen, das in der Dritten Welt nun so dringend gebraucht wird. Stattdessen werden die Tauben instrumentalisiert: hier wird die Befriedigung der Gier nach Preisen, Pokalen und Geld mit der vermeintlichen Friedensmission für die Ukraine verbrämt und auf diesem Weg hunderttausendfaches Tierleid produziert.

Bereits am Freitag hat der Verband Deutscher Brieftaubenzüchter auf die Kritik reagiert und die Internetseite des Verbandes mit den Auflassdaten der Wettflüge gesperrt, so dass eine Nachvollziehbarkeit der Flüge für die Öffentlichkeit nicht mehr möglich ist: https://www.brieftaube.de/flugberichte/auflaesse.html

Hintergrund:

Brieftauben sind Haustiere. Der natürliche Bewegungsradius um den Heimatschlag beträgt nur einige hundert Meter. Zwischen April und September werden Trainings- und Wettflüge veranstaltet, für die oftmals brütende Partnertiere getrennt und an bis zu 1000 km entfernte Orte verbracht werden, von denen aus sie in ihren Heimatschlag schnellstmöglich zurückfliegen müssen.
Brieftaubenzüchter organisieren sich in Vereinen und lassen bei sogenannten „Auflässen“ durchschnittlich ca. 1.500 Tauben gemeinsam fliegen, wobei einzelne Auflässe auch Größenordnungen von 25.000 Tieren umfassen können. Wissenschaftliche Erhebungen (Warzecha-Studie) weisen nach, dass jährlich über 50 %, in Einzelfällen bis zu 90 % der Tauben, die Rückkehr nicht schaffen. Viele der Brieftauben sterben aufgrund schlechter Startbedingungen schließlich durch Erschöpfung, verdursten, verhungern oder werden Opfer von Greifvögeln. Der überlebende Teil der Tiere vergrößert jedes Jahr die Stadttaubenpopulationen, die ebenfalls aus Haustauben besteht.
Brieftauben lassen sich anhand ihres Ringes identifizieren. Theoretisch lassen sich, diese bei deutschen Eigentümer über den Zuchtverein zurückführen. Oftmals besteht aber von Seiten des Eigentümers kein Interesse, da das Tier die Leistung nicht erbracht hat und damit für die Zucht wertlos ist. (Siehe auch Arte Dokumentation ‚Höhenflüge‘: „Aus einer alten Tradition, der Zucht von Brieftauben, wurde ein skurriles Millionengeschäft. Ein ungewöhnlicher Film über die Ausmaße und Absurditäten des Kapitalismus.)
Da der Brieftaubensportverband weiß, dass nur ein gewisser Prozentsatz der Tauben den Heimweg findet, muss das Auflassen von Brief-, „Friedens“- und Hochzeitstauben als Aussetzen von Tieren bewertet werden. Der Brieftaubensport wurde trotz massiver Proteste der Tierschutzorganisationen 2022 in Deutschland zum immateriellen Kulturerbe erklärt. Das Aussetzen von Tieren ist in Deutschland nach dem Tierschutzgesetz verboten.

Quellen:
Stadttauben sind Nachkommen von Haustieren:
https://www.berlin.de/lb/tierschutz/presse/pressemitteilungen/2021/pressemitteilung.1155217.php

ARTE Dokumentation „Höhenflüge“:
https://www.3sat.de/film/dokumentarfilmzeit/hoehenfluege-100.html

Gutachten Warzeche/Kahlke/Kahlke
https://docplayer.org/69329311-Beitrag-zur-ermittlung-von-kennzahlen-zu-verlusten-bei-wettfluegen-von-brieftauben-untersuchungszeitraum.html
oder als Download:
https://www.Tierarztpraxis_Oering/FWarzecha_Studie/252709_Setzverluste_26.07.09_RZ-1.pdf&usg=AOvVaw2r3dB03r3ngKLA_Od5MxAk

Tierschutzgesetz § 3 (Nr. 1, 1b, 3)
https://www.gesetze-im-internet.de/tierschg/__3.html